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Übergänge finden überall im Leben statt. Eine Situation endet und eine neue beginnt. Dazwischen ist ein Übergang nötig, damit alles reibungslos klappt. Gerade Kindern fallen solche Übergänge oft schwer, da sie noch nicht so flexibel auf Veränderungen reagieren können wie wir Erwachsenen. So haben Kinder (und auch Babys) oft schon mit kleinen Veränderungen zu kämpfen und das kann uns Eltern vor ganz schöne Herausforderungen stellen.  Wie man solche Situationen gut entschärfen kann, kannst du bei den Leuchtturmeltern in ihrer Blogparade zum Thema Übergänge lesen.

Ich möchte zu dieser Blogparade einen besonderen Übergang im Leben eines jeden Babys betrachten: Den Wechsel vom Stillen/ der Milchnahrung zum Familientisch: Die Beikost.

Anmerkung: Ich schreibe der besseren Lesbarkeit wegen oft vom Stillen bzw der Muttermilch. Falls du nicht (mehr) stillst, ersetze diese Passagen für dich durch Flasche geben bzw Pre-Nahrung.

Vom Stillen zum Familientisch - Beikostzeit entspannt gestalten

Ausgangssituation: Stillen nach Bedarf

Wusstest du, dass Babys nach der Geburt in der Lage sind, sich komplett selbstständig zur Brust der Mutter zu bewegen und dort anzulegen? Babys sind kompetenter als wir ihnen oft zugestehen, und das schon von Beginn an. 

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Sie haben bereits ab ihrer Geburt die Fähigkeit ihre Grundbedürfnisse wahrzunehmen und dies auch mitzuteilen. Dies machen sie meist mit sehr feinen Zeichen. Und wenn man weiß wie diese aussehen (zum Beispiel die Hungerzeichen) kann man die Bedürfnisse erfüllen, ohne dass das Baby erst weinen muss um auf sich aufmerksam zu machen. Und genau auf diese Zeichen  sollte man achten, wenn es darum geht, wann die nächste (Still-) Mahlzeit dran ist, und nicht auf die Uhr. Denn dein Baby spürt genau, ob es Hunger hat und wann die nächste Mahlzeit notwendig ist. Und dabei ist es dann ganz unerheblich, ob erst eine Stunde seit dem letzten Stillen vergangen ist, oder vier.

Das Stillen nach Bedarf führt das Baby so ganz von alleine an die späteren Familienmahlzeiten heran. Auf der einen Seite wird seine Körperwahrnehmung durch das Eingehen auf seine Signale aufrechterhalten.  Das Zusammenspiel zwischen Hunger- und Sättigungsgefühl bleibt so erhalten. Auf der anderen Seite enthält die Muttermilch immer auch Aromen der Lebensmittel die die Mutter zu sich nimmt. Und so lernt das Baby schon früh den Geschmack der typischen Familienkost kennen. Diese ist in den verschiedenen  Teilen der Welt sehr unterschiedlich, kann sich aber natürlich auch innerhalb des gleichen Kulturkreises von Familie zu Familie stark unterscheiden.

Den Grundstein deinem Baby den Übergang zum Familienessen zu erleichtern, legst du also bereits in der Stillzeit!

Vom Stillen zum Familientisch - Beikostzeit entspannt gestalten

Der Übergang: Beikost statt Anstattkost!

Der nächste Wichtige Schritt, um deinem Baby den Übergang ins Essen und später an den Familientisch zu erleichtern, ist es darauf zu achten, dass du den richtigen Zeitpunkt wählst.

Und es gibt kaum einen Punkt bei dem so viel Verwirrung und Unsicherheit herrscht wie hierbei! Von überall bekommt man unterschiedliche Zeitpunkte und Zeichen genannt auf die man achten sollte. Und das hat seinen Grund: Beikost ist keine Wissenschaft! Man kann keine verlässlichen Studien anfertigen um den einen richtigen Weg herauszufinden, das wäre schon allein aus ethischen Gründen nicht möglich. Und vermutlich gibt es diesen einen „richtigen Weg“ auch gar nicht. Denn Beikost sah und sieht schon immer so verschieden aus, wie auch die Familienkost überall auf der Welt.

Und doch gibt es Hinweise darauf, dass es sinnvoll ist einige Fähigkeiten des Kindes abzuwarten, bevor man mit der Beikost startet.

So haben Naylor und Morrow 2001 festgestellt, dass bei Säuglingen eine sogenannte „Konvergenz“ der Reifung besteht. Das heißt, dass sich einige Entwicklungsschritte zur gleichen Zeit ergeben. Dies sind die Entwicklung des Verdauungssystems, des Immunsystems und die orale motorische Entwicklung. Und das diese Reifung in der Regel mit ca 6 Monaten besteht. Und so kommen wir den Punkten, die den „richtigen“ Zeitpunkt markieren schon näher

Die Unicef formuliert als „Reifezeichen“ folgende Punkte:

  • Der Zungenstoßreflex ist verschwunden: Dein Baby schiebt also nicht sofort die Zunge vor, wenn etwas seine Lippen berührt
  • Eine stabile Rumpfmuskulatur: Dein Baby kann stabil auf deinem Schoß sitzen, wenn du es an der Hüfte stützt
  • Eine gute Hand-Auge-Koordination: Dein Baby ist in der Lage gezielt nach einem Gegenstand zu greifen, und ihn sich in den Mund zu stecken

Diese Zeichen abzuwarten, bevor dein Baby etwas essen kann ist sehr sinnvoll.

Denn wenn ein Baby alle diese Reifezeichen entwickelt hat, dann bedeutet das folgendes: 

Es kann sich, wenn es auf Mamas Schoß am Familienessen teilnimmt:

  • etwas von ihrem Essen greifen
  • es in den Mund stecken
  • und wird es nicht gleich wieder mit der Zunge rausschieben.

Und das ist der Moment in dem auch der Darm aller Wahrscheinlichkeit nach soweit gereift ist, dass er auch andere Nahrung als die Muttermilch verträgt.

Wenn diese Punkte beachtet werden bevor du loslegst, dann ist dies eine gute Grundlage dafür, den Übergang möglichst angenehm für dein Baby zu gestalten.

Aber es gibt noch mehr, dass beachtet werden kann und sollte.

Beikost ist keine Methode um Abzustillen

Denn um dein Baby nicht zu überfordern solltest du eines im Kopf behalten: Je langsamer du den Übergang gestaltest, desto einfacher ist es für dein Baby sich daran anzupassen. 

Das bedeutet, dass du wirklich mit kleinen Mengen Beikost starten solltest. Die Menge steigert sich erst innerhalb einiger MONATE (nicht weniger Wochen!) so weit, dass es auch weniger Milch benötigt. Denn die Beikosteinführung ist KEINE Methode um abzustillen! 

Das Abstillen  wird leider noch zu oft mit der Beikosteinführung gleichgesetzt, was die Kinder allerdings in der Regel stark überfordert und unter Druck setzt. Vor allem wenn die Muttermilch schnell komplett durch feste Nahrung/Brei ersetzt wird, gerät das Kind unter Druck und MUSS sehr viel essen, um seinen Nährstoffbedarf zu decken. Obwohl es eigentlich noch mehr Zeit für diesen Übergang benötigen würde. Denn die Beikost ist bei gleichem Energiegehalt sehr viel Voluminöser, es dauert also eine Zeit, bis der Körper deines Babys sich daran angepasst hat und es gut mit diesen Mengen klar kommen kann.

Einen Übergang mit Druck zu erzwingen ist nie sinnvoll und setzt das Kind einem großen Stress aus. Und das kann bei der Beikost auch ein unterschwelliger Druck sein, durch das Weglassen der Milch. Im schlechtesten Fall wird dein Kind das Essen mit negativen Gefühlen verbinden, seine eigene Wahrnehmung was Hunger und Sättigung angeht verlieren und so in seinem späteren Leben kein gutes Verhältnis zum Essen haben.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche Hinweise darauf, dass die Beikost für dein Kind deutlich besser verträglich ist, wenn dazu noch gestillt wird.

Vor oder nach dem Essen Stillen?

Viele Mütter fragen sich nun, wenn sie noch stillen sollen, wann sie dies am besten tun sollten. Ich empfehle am Anfang VOR der Beikost-Mahlzeit zu stillen. Du brauchst dir keine Sorgen machen, dass dein Kind dann die Beikost nicht mehr essen will, weil es satt ist! Es ist eher umgekehrt. Wenn du dein Baby mit großem Hunger vor die Beikost setzt, wird es viel weniger Lust haben, dieses neue Zeug zu probieren. Denn dein Baby weiß noch gar nicht, dass Essen satt macht! Es sind viele viele Wiederholungen nötig, damit das Gehirn fest abspeichert, dass es vom Essen satt wird. Ein Baby das Hunger hat, will keine Beikost, es will Milch! Nach einiger Zeit, wenn du merkst dass dein Baby gefallen am Essen findet, kannst du dann dazu übergehen nach dem Essen zu stillen.

Auf diese Weise nimmt dein Baby die gewohnte Milchnahrung noch eine Weile mit in die neue Phase. Das ist sinnvoll, da dein Baby die gewohnten Umstände gern beibehalten möchte und sich so möglichst wenig ändert. Damit dies so ist, ist es auch sinnvoll die Beikost möglichst am Bedarf des Kindes auszurichten. Das bedeutet du gibst deinem Kind die Möglichkeit selbst zu bestimmen was und wie viel und wann es etwas essen möchte. Besonders gut gelingt dies wenn du deinem Baby direkt festes Essen vom (leicht angepassten) Familientisch anbietest und es so selbst zugreifen kann.

Vom Stillen zum Familientisch - Beikostzeit entspannt gestalten

Das Ziel: Selbstbestimmtes Essen am Familientisch

Auch später, wenn dein Kind den Übergang geschafft hat und komplett am Familientisch mitisst, ist es sinnvoll beim Essen auf das Kind und seine Fähigkeiten zu vertrauen. Druck und Erziehung haben am Esstisch nichts zu suchen! (Zur Info: Dass dein Kind komplett am Tisch mitisst heißt nicht, dass es nicht mehr stillen darf. Denn Stillen erfüllt noch mehr Bedürfnisse als nur den nach Nahrung!)

Gib deinem Kind immer die Möglichkeit selbst zu entscheiden wie viel und was es essen möchte. Deine Aufgabe dabei ist es für eine gesunde Auswahl zu sorgen. Wenn du es schaffst den Übergang zum Familientisch für dein Kind positiv und angenehm zu gestalten, dann legst du einen Grundstein für eine Lebenslange positive Ernährung. Dein Kind behält sein Bewusstsein für sein Hunger- und Sättigungsgefühl und die Wahrscheinlichkeit für Übergewicht im späteren Leben wird gesenkt.

Hast du noch Fragen zum Übergang vom Stillen zum Familientisch? Dann schreib mir gerne einen Kommentar.

Ich würde mich sehr freuen, wenn du den Artikel mit deinen Freunden oder auf Facebook teilst.

Deine Katharina

 

Disclaimer:

Alle Tipps und Angaben sind nach bestem Wissen und Gewissen verfasst und ohne Gewähr.

 

Studie: Ed, Naylor, & Morrow, Ardythe. (2001). Developmental Readiness of Normal Full Term Infants To Progress from Exclusive Breastfeeding to the Introduction of Complementary Foods: Reviews of the Relevant Literature Concerning Infant Immunologic, Gastrointestinal, Oral Motor and Maternal Reproductive and Lactational Development.

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