Nachts Stillen - Stillen in der Nacht

Nachts Stillen

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Das nächtliche Stillen stellt viele Mütter vor besondere Herausforderungen. Mehrmals pro Nacht aufzuwachen um das Baby zu stillen kann ganz schön anstrengend sein. Ich weiß noch, wie ich bei meiner ersten Tochter nachts mit dem Stillen kämpfte. Das Stillen im Liegen war nicht so einfach wie gedacht und ich wusste nicht wie ich sie und mich so positionieren sollte, dass es bequem und sicher ist. Und wie das mit dem Brust wechseln nachts klappen soll, ohne dass wir beide dabei hellwach werden war mir ein absolutes Rätsel! Dank meiner Ausbildung zur Stillbegleitung und der Erfahrung mit inzwischen drei Stillkindern kann ich Dir in diesem Artikel  fundierte Informationen und Tipps rund ums nächtliche Stillen geben, die Eure Nächte entspannter und angenehmer machen werden.

Nachts Stillen - Wie oft und wie lange ist das normal?

Nachts Stillen – Wie oft und wie lange ist das normal?

Die Stillhäufigkeit in der Nacht sorgt sehr häufig für Verunsicherung bei Müttern. Gerade (aber nicht nur!) beim ersten Kind. Die in Deutschland üblichen Erwartungen an Babys, was das Stillen in der Nacht und auch das Durchschlafen betreffen, sind aber alles andere als Kindgerecht und haben mit der Realität meist nichts zu tun. Denn kaum ein Baby schläft ab 6 Monaten durch oder braucht zumindest keine Milch mehr! In einer Studie von Jelliffe und Jelliffe wurde nachgewiesen, dass Babys mit 10 Monaten noch 25% der Milchmenge in der Nacht aufnehmen. Babys scheinen also definitiv auch nach 6 Monaten noch nachts einen Bedarf nach Nahrung zu haben!

Abgesehen davon ist Stillen nicht nur Nahrung. Es bedeutet Sicherheit, Geborgenheit und es gibt keinen größeren Beweis fürs Baby dass Mama da ist. Auch wenn Dein Kind also rein Theoretisch nachts keine Nahrung mehr braucht, kann das Stillen dennoch wichtige Bedürfnisse Deines Kindes stillen!

Darüber hinaus reduziert das (nächtliche) Stillen das Risiko für den plötzlichen Kindstod und wirkt sich positiv auf die Hirnentwicklung Deines Kindes aus. Denn das Hirn arbeitet nachts auf Hochtouren und braucht dafür einen möglichst gleichbleibenden Blutzuckerspiegel! Wenn Du mehr darüber wissen willst, warum durchschlafen für Dein Baby nicht sinnvoll ist, lies hier weiter.

Wie häufig ein Baby nachts gestillt werden sollte ist sehr individuell und kann pauschal gar nicht beantwortet werden. Einige Babys brauchen (zeitweise) schon früh kaum noch Stillmahlzeiten in der Nacht, andere holen sich besonders in der Nacht das was sie brauchen (weils vielleicht am Tag zu aufregend und spannend ist um ans Stillen zu denken). Insgesamt solltest Du in den ersten Monaten etwa 8 bis 12 mal in 24 Stunden stillen. Phasenweise kann es aber auch durchaus vorkommen, dass Dein Baby nachts jede Stunde gestillt werden will! Auch das ist normal und erstmal nicht grundsätzlich ein Problem. Erst wenn es Dich sehr stört, weil du zum Beispiel nicht weiterschlafen kannst dabei, besteht Handlungsbedarf.

Da Kinder nicht nur wegen Hunger aufwachen, bringt abstillen hier also nicht zwangsläufig den gewünschten Effekt und das Kind schläft durch. Du musst dann stattdessen andere Wege finden, Dein Kind wieder in den Schlaf zu begleiten, wenn es aufwacht. Viele Mütter berichten dann, dass stillen wäre einfacher gewesen.

Wenn Du nachts abstillen willst lies unbedingt bis zum Schluß, dort findest Du mein brandneues eBook „Nachts Abstillen“!

Wie kann man nachts bequem Stillen?

Wie kann man nachts bequem stillen?

Nachts im Liegen stillen

Wenn es irgendwie möglich ist, solltest Du nachts im liegen stillen. Das hat den großen Vorteil, dass Du viel weniger wach werden musst und einfach im Halbschlaf stillen kannst. Es ist sicherer, als wenn Du dein Baby nachts im Sitzen stillst und dabei vor Müdigkeit wegnickst!

Doch nicht jede Mama schafft es auf Anhieb im liegen zu stillen. Oft braucht es etwas Übung bis das klappt. Aber es lohnt sich! Um das Stillen im liegen zu lernen, kannst Du dies am besten so oft wie möglich tagsüber üben. Hier hast du mehr Licht und siehst was Du tun musst um Dein Baby anzulegen. Du bist nicht müde und hast Zeit Dich und Dein Kind gut zu positionieren. So hast Du viel mehr Ruhe und Geduld um das Stillen in der Seitenlage zu lernen, statt Dich Nachts damit zu stressen.

Versuche dabei auch herauszufinden was Du brauchst um bequem im Liegen stillen zu können. Sei kreativ und probiere verschiedene Positionen Deiner Beine und Arme aus und teste wo Du Unterstützung durch Kissen o.ä. brauchst.

Wenn das Stillen im Liegen aber auch so immer noch sehr unbequem für dich ist, kannst du alternativ (oder als Abwechslung) auch in Rückenlage Stillen. Dein Baby (oder Kleinkind) liegt dabei  an Deiner Seite mit dem Kopf auf Deinem Arm, sodass es die Brust erreichen kann. Ganz kleine Babys können auch auf dem Bauch der Mama liegen dabei.

Brust wechseln beim Stillen im Liegen

Ein ganz großer Punkt der vielen Müttern unklar ist (der bei mir selbst auch für ne Menge Fragezeichen über dem Kopf sorgte!) ist das Wechseln der Seite in der Nacht. Muss das sein? Und wenn ja, wie zur Hölle geht das ohne viel Aufwand und komplett aufzuwachen??

Die erste gute Nachricht: Nein ein Wechsel der Brust muss nicht zwingend sein. Die Brüste passen sich komplett an den Bedarf an, der nachgefragt wird, und wenn nur an einer Seite Bedarf herrscht, wird auch nur bei dieser Seite produziert. Allerdings rate ich dir, nicht von einem Tag (bzw einer Nacht) auf den nächsten nur noch eine Seite zu stillen, vor allem wenn ihr nachts noch viel stillt! Damit riskierst du einen ordentlichen Milchstau, und das kann sehr schmerzhaft sein. Und es ist möglich, dass die Milchmenge auch am Tag an der nicht gestillte Seite zurück geht.

Besser ist es auf eine einfache Weise nachts die Brust zu wechseln. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Du nimmst Dein Baby in Seitenlage in den Am und drehst Dich gemeinsam mit ihm erst auf den Rücken und dann weiter zur anderen Seite. Auf diese Weise musst Du nicht hoch um Euch beide umzubetten.
  • Du bietest beide Brüste auf der gleichen Seite liegend an. Ja das geht! Die obere Brust kannst Du auf der gleichen Seite liegend anbieten, wie die untere, indem Du dich einfach etwas weiter rüber drehst. Auch das kannst Du am besten einfach mal am Tag üben. Du wirst sehen, dass ist leichter als du denkst!

Entspannte Familiennächte trotz Stillen in der Nacht

So kannst du für entspannte Familennächte sorgen:

Bäuerchen und Wickeln in der Nacht sind unnötig

Im Zusammenhang mit dem Stillen im Liegen bekomme ich in meinen Still- und Schlafberatungen immer wieder die gleichen Fragen, wenn ich erkläre, dass ein Stillen im Liegen am einfachsten ist und man dann einfach weiterschlafen kann. Und diese Fragen drehen sich um das Wickeln in der Nacht und ums Bäuerchen nach dem nächtlichen Stillen.

Denn wenn ich beim Stillen einschlafe, wie soll ich dann wickeln und Bäuerchen machen? Und wenn ich dafür doch eh aufstehen muss, dann bringt doch das im Liegen stillen eh nichts, oder? Stimmt. Aber: Du musst nachts nach dem Stillen kein Bäuerchen machen! Und falls Du doch das Gefühl haben solltest, du musst das tun, weils deinem Kind sonst schlecht geht (Bauchschmerzen, viel Spucken etc), dann probiere folgendes: Nimm Dein Baby aus der Seitenlage heraus (wie oben beim Seitenwechsel beschrieben) auf Deinen Bauch. Die Bauchlage reicht meist aus um Luft zu lösen.

Und auch ein Wickeln ist nachts (nach den ersten Wochen) in der Regel unnötig. Denn solange kein Stuhl in der Windel ist, muss sie nachts nicht (auf jeden Fall nicht nach jedem Stillen!) gewechselt werden.

Falls Dein Baby noch sehr klein ist und auch nachts noch häufiger Stuhlgang in der Windel ist, dann richte Dir alles was Du zum Wickeln brauchst am Schlafplatz her. So kannst Du einfach auf dem Bett wickeln und schnell wieder weiterschlafen. Wenn Du es ohne Licht nicht schaffst zu wickeln, dann nutze ein möglichst wenig helles Nachtlicht, optimaler weise in einer rötlichen Farbe.

Lass dein Baby nah bei dir schlafen

Und damit Du nachts nun wirklich nicht mehr aufstehen musst ist es natürlich am einfachsten, wenn Dein Baby direkt neben Dir schläft. Entweder in Deinem Bett in dem ihr euch die Schlaffläche teilt, oder mit Hilfe eines Beistellbettes dass Du an Deinem Bett befestigst, wenn es Dir lieber ist, dass Dein Baby eine eigene Schlaffläche hat.

Egal für welche Variante man sich entscheidet, wichtig ist, dass gewisse Regeln beachtet werden, damit es sicher ist.

  • Die Schlaffläche muss eine feste Unterlage sein. Ein Sofa, ein Wasserbett oder auch eine sehr weiche Matratze sind keine geeigneten Plätze um sie mit einem Baby zum Schlafen zu teilen.
  • Die Eltern sollten nicht rauchen und nicht unter Alkohol-, Medikamenten oder Drogen-Einfluss stehen. Raucht ein Elternteil sollte er nicht bei seinem Kind schlafen. Alkohol, bestimmte Medikamente und Drogen setzen die Reaktionsfähigkeit herab und beeinflussen die Wahrnehmungsfähigkeit, daher sollte man unter Einfluss dieser Substanzen nicht die Schlaffläche mit seinem Kind teilen.
  • Es befinden sich keine Kissen, Tücher oder Bänder in Kopfnähe des Kindes und es wird nicht zugedeckt. Ein Schlafsack ist die ideale Bedeckung, ein Kissen brauchen Babys noch nicht. Auch Kopfbedeckungen sollte man vorsichtshalber in der Nacht weglassen.
  • Das Kind wird gestillt.Abgestillte Babys sollten in den ersten Monaten besser auf einer eigenen Unterlage schlafen und einen Schnuller benutzen. Auch Frühgeborene sollen auf einer eigenen Unterlage schlafen, also zum Beispiel im Beistellbett.
  • Das Kind wird in Rückenlage hingelegt. Dies ist, im Gegenteil zur Bauchlage, die sicherste Lage um das Risiko für den Plötzlichen Kindstod zu senken. Beim Stillen kann das Kind in Seitenlage neben der Mutter liegen.
  • Der Schlafplatz ist nicht zu warm. 18°C sind optimal. Diese Temperatur hat auch bei den Eltern einen positiven Effekt auf die Erholsamkeit des Schlafs.

Beachtet man diese Regeln führt das Teilen der Schlaffläche nicht zu einem höheren SIDS Risiko und wird als sicher erachtet. Direkt neben deinem Baby zu schlafen macht die Nächte deutlich leichter, denn du musst nicht aufstehen um dein Baby zu stillen. Außerdem passt sich dein Schlafzyklus automatisch an den deines Kindes an, das heißt du bist im Leichtschlaf, wenn dein Baby wach wird und wirst nicht aus dem Tiefschlaf gerissen.

Ich hoffe ich konnte Dir zeigen, dass Stillen nachts ganz normal und sinnvoll ist und wie es einfach und angenehm stattfinden kann.

Deine Katharina

Disclaimer:

Alle Tipps und Angaben sind nach bestem Wissen und Gewissen verfasst und ohne Gewähr.

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Hi, ich bin Katharina, zertifizierte Stillberaterin, sowie Fachkraft für Babygeleitete Beikost und Ernährungsberaterin für Babys und Kleinkinder und begleite Eltern seit über 6 Jahren auf einem bedürfnisorientierten Weg mit ihren Kindern.


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