Warum werden (fast) alle Kinder im Kleinkindalter wählerisch?

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Warum werden Kinder wählerisch?

Viele Eltern kennen es: Statt gerne und vieles zu essen was die Eltern auftischen, isst das Kleinkind am liebsten nur Kartoffeln oder Nudeln „ohne alles“.

Gemüse?! Igitt! Bloß nicht!

Doch warum ist das so? Und kann man etwas dagegen tun? In diesem Blogbeitrag erfährst du, warum wählerisch sein für Kinder eine Überlebensstrategie ist, und wie du deinem Kind trotzdem helfen kannst mehr Abwechslung auf dem Teller zu akzeptieren.

Vom Alles essenden Baby zum wählerischen (Klein-) Kind

Vom Alles essenden Baby zum wählerischen (Klein-) Kind

Im ersten Jahr sind die meisten Kinder zur Freude ihrer Eltern noch sehr offen gegenüber vielen verschiedenen Lebensmitteln und Geschmäckern. Von Oliven bis zu Ziegenkäse sind sehr häufig auch intensive Geschmäcker sehr beliebt und die Auswahl an akzeptierten Lebensmitteln ist groß.

Viele Eltern hoffen, dass ihr Kind nicht wählerisch werden wird, wenn es möglichst viele verschiedene Lebensmittel im ersten Lebensjahr kennenlernt. Und das ist auch nicht ganz unbegründet! Denn je größer die Liste an Lebensmitteln ist, die das Kind (sehr gut) kennt und gern isst, desto weniger wahrscheinlich wird die Liste an akzeptierten Lebensmitteln auf eine sehr kleine Menge zusammenschrumpfen.

Doch es ist leider kein Garant für eine Kleinkindzeit ohne „nur Nudeln“-Phase.

Was wählerisches Essen bei Kleinkindern mit Überlebens-Instinkten zu tun hat

Was wählerisches Essen bei Kleinkindern mit Überlebens-Instinkten zu tun hat

Im zweiten Lebensjahr wird die Auswahl an gern gesehenen bzw. gegessenen Lebensmitteln sehr oft immer geringer. Nach und nach verschwindet ein Lebensmittel nach dem anderen (oder auch viele auf einmal) von der “Ess ich gerne“- Liste. So manches Mal wird etwas heute gegessen und schon morgen komplett verschmäht. Die Kinder werden wählerisch. Aber warum ist das so?

Die Ursache liegt (ziemlich oft) in den Instinkten unserer Kinder. Wir alle haben ziemlich fest verankerte Verhaltensweisen in uns, die unsere Vorfahren früher einmal vor dem Tod geschützt haben. Das wählerische Essen unserer Kinder gehört tatsächlich auch dazu.

Wenn aus Babys Kleinkinder werden passiert folgendes: Sie werden immer autonomer, und stromern sehr gerne auch immer weiter ohne die ständige Überwachung durch Mama, Papa und Co herum. Würden sie in diesem Alter genauso unvoreingenommen wie als Baby, alles Essen was ihnen in die Hände fällt, wäre ziemlich sicher sehr schnell etwas Giftiges oder verdorbenes dabei (gewesen).

Anders gesagt: Die Kinder, die alles gegessen haben was ihnen begegnete (also nicht wählerisch waren), sind nicht unsere Vorfahren geworden…

Wenn dein Kind also plötzlich nur noch ungern Gemüse isst, oder neuem gegenüber mehr als skeptisch ist, dann ist das ein Überlebensverhalten und im Grunde sehr sinnvoll!

Wählerische Kinder: Warum essen Kleinkinder am liebsten „Nudeln ohne alles“?

Wählerische Kinder: Warum essen Kleinkinder am liebsten „Nudeln ohne alles“?

Kleininder lehnen hauptsächlich die Dinge ab, die sie nicht (gut) kennen. Da kann eine breite (und wiederholte!) Vielfalt in der Beikostzeit natürlich einen großen Vorteil bieten und einen gewissen „Schutz“ vor einem (zu) wählerischen Verhalten bieten. Aber dennoch werden auch oft bekannte Lebensmittel abgelehnt.

Typischerweise zum Beispiel Gemüse, vor allem eher bittere Sorten wie Brokkoli oder Rosenkohl.

Das liegt daran, dass bitterer und saurer Geschmack als eine Art Warnung vom Körper verstanden wird, dass es sich um ein giftiges oder verdorbenes Lebensmittel handeln könnte. Diese werden also sicherheitshalber lieber aussortiert!

Süßer Geschmack dagegen wird vom Körper generell als „sicher“ eingestuft, denn es gibt so gut wie keine süßen Gifte in der Natur. Außerdem ist süß ein Zeichen von schnell verfügbarerer Energie, was gerade den schnell wachsenden Kleinkindern das Überleben sichern konnte.

Da Kohlenhydrate wie Nudeln oder Kartoffeln sich bereits beim Kauen in seine Zuckerbestandteile zersetzen, haben diese Lebensmittel einen (eher) süßlichen Geschmack und sind damit natürlich deutlich beliebter als die mit Gemüse verfeinerte evtl. leicht bitter schmeckende Soße.

Was kannst du tun, wenn dein Kind wählerisch ist?

Was kannst du tun, wenn dein Kind wählerisch ist?

Das aller wichtigste, was du tun solltest, wenn dein Kind wählerisch ist: Ruhig bleiben.

Das Kleinkinder zeitweise (gefühlt) nur sehr einseitig essen und Gemüse wie Gift behandeln ist kein neues Phänomen und hat früher einmal einen klaren Überlebensvorteil mit sich gebracht. Dein Kind wird also nicht so schnell einen Schaden dadurch erleiden und du kannst ganz entspannt Strategien anwenden, die es deinem Kind leichter machen, Neues zu probieren.

Druck ist im Zusammenhang mit Essen (und eigentlich in fast allen Lebensbereichen) nicht hilfreich. Dein Kind zum Essen von Brokkoli und Co zu drängen wird nicht dazu führen, dass es gern und mit Freue und vor allem freiwillig Gemüse essen lernt.

Zum Drängen zählen im Übrigen auch Strategien wie:

  • Erst das Gemüse essen/probieren müssen bevor es Nachspeise gibt
  • Probieren müssen bevor man sagen darf, dass es nicht schmeckt
  • Ablenken (mit Tablet und Co aber auch durch Spielchen wie „Hier kommt das Flugzeug“)
  • Das Essen verkaufen wollen („Probier mal, das schmeckt sooo lecker und ist total gesund“)

Stattdessen solltest du dich beim Essen weniger darauf fokussieren, ob dein Kind etwas isst, sondern dass es generell viel Kontakt zu verschiedenen (neuen) Lebensmitteln hat, und diese in einer angenehmen Situation in seinem eigenen Tempo erkunden kann.

Baue gezielt positive Assoziationen bei deinem Kind mit dem Lebensmittel auf, in dem du:

  • ihm zum Beispiel einen lustigen neuen Namen verpasst
  • es zum Spielen ermunterst (keine Sorge, dein Kind wird trotzdem lernen, dass man das Ganze essen sollte und nicht nur damit spielt)
  • oder selbst mit Genuss isst (dabei ist aber wichtig, dass es authentisch ist! Wenn du das „fakest“ wird es sich eher negativ auswirken)

Viele Ideen wie du deinem Kind zum Probieren helfen kannst, und welche Schritte dabei wichtig sind bekommst du auch in der kostenlosen Entdeckerschmecker-Challenge.

Wenn Kinder wählerisch sind: Wann steckt mehr dahinter?

Wenn Kinder wählerisch sind: Wann steckt mehr dahinter?

Nicht immer ist es „nur“ die normale Entwicklungsphase, die hinter so einem wählerischen Verhalten steckt. Es gibt viele körperliche Ursachen, die ein wählerisches Verhalten auslösen können. Dazu zählen zum Beispiel

  • Nährstoffmängel (wie Eisen, Zink und Vitamin B12) die für Appetitlosigkeit sorgen
  • Unverträglichkeiten gegen bestimmte Lebensmittel
  • Verstopfung
  • Reflux
  • Sensorische Integrationsstörungen und Hochsensibilität

Anzeichen, dass  es bei deinem Kind „mehr“ sein könnte wären, dass du das Gefühl hast dein Kind hat überhaupt keinen Appetit, ihm ist Essen quasi egal, Essen stresst euch alle sehr stark und es wird immer schlimmer, oder wenn zusätzlich Verdauungsprobleme (Durchfall, Verstopfung, erbrechen etc.) hinzukommen.

Solltest du bei deinem Kind vermuten, dass so ein Grund dahinter steckt solltest du dich in jedem Fall an deinen Kinderarzt wenden.

Aber auch bei diesen Kindern ist es möglich sie nach und nach an Neue Lebensmittel zu gewöhnen und für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung zu sorgen (es dauert nur manchmal etwas länger, bis sich Erfolge zeigen).

Zusammenfassung:

Das Kinder wählerisch werden ist völlig normal und ein „eingebauter“ Überlebens-Instinkt.

Vor allem Neues/Unbekanntes aber auch bitteres und saures wird dabei mehr oder weniger stark abgelehnt.

Süßes/Kohlenhydrate ist grundsätzlich ein „sicherer“ Geschmack und wird häufig bevorzugt.

Um deinem Kind zu helfen solltest du keinesfalls Druck machen, sondern ruhig bleiben und positive Assoziationen mit dem Lebensmittel wecken. Dein Kind darf und soll Spaß mit dem Lebensmittel haben und sich nach und nach in seinem eigenen Tempo dem probieren nähern.

Mehr Ideen und Informationen dazu findest du in der Entdeckerschmecker-Challenge

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Hi, ich bin Katharina, zertifizierte Stillberaterin, sowie Fachkraft für Babygeleitete Beikost und Ernährungsberaterin für Babys und Kleinkinder und begleite Eltern seit über 6 Jahren auf einem bedürfnisorientierten Weg mit ihren Kindern.


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