Warum Eltern beim Thema Ernährung entspannen dürfen (und sollten)

Bleib locker! Warum Eltern beim Thema Ernährung entspannen dürfen (und sollten)

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Essen ist oft ein riesen Stressthema – für Eltern wie für die Kinder! Dabei würde etwas mehr Entspannung bei dem Thema allen Beteiligten gut tun. Warum du wirklich entspannt bleiben darfst, egal wie dein Kind isst, lernst du in diesem Beitrag.

Wie Kinder Essen lernen: Durch Nachahmen, nicht durch Erziehung!

Wie Kinder Essen lernen: Durch Nachahmen, nicht durch Erziehung!

Kinder lernen am allermeisten durch Nachahmen. Da kann man noch so viel sagen und auf Regeln pochen, wenn man selbst es anders vormacht, wird’s nix werden 😉 Das heißt erstens, dass du dich selbst an die Regeln halten solltest, von denen du möchtest, dass dein Kind sie einhält. Aber auch, dass du deinem Kind regelmäßig die Möglichkeit geben solltest, dich beim Essen zu beobachten. Auch deshalb ist es sehr sinnvoll so oft wie möglich gemeinsam mit seinen Kindern zu essen.

So lernt Dein Kind zum Beispiel sehr schnell den Umgang mit Besteck, wenn es jeden Tag (am besten mehrmals) sehen kann, wie du welches benutzt. Dafür darfst und solltest du ihm sobald es am Familientisch mitisst natürlich auch Besteck zur Verfügung stellen. Denn ohne ausprobieren und üben wird es das, was es sieht nicht nachahmen können.

„Ich mag das nicht!“ – Wie sich der Geschmack entwickelt

„Ich mag das nicht!“ – Wie sich der Geschmack entwickelt

Unser Ernährungsverhalten und unsere Essgewohnheiten werden größtenteils in den ersten Lebensjahren geprägt. Dies zeigt, wie wichtig es ist, Kinder früh an gesunde Nahrung heranzuführen und ihnen ein gutes Essverhalten vorzuleben.

In der Schwangerschaft und Stillzeit

Die Geschmacksentwicklung beginnt dabei schon im Mutterleib. Denn schon hier wird das Kind durch Aromen im Fruchtwasser auf die Ernährung seiner Mutter vorbereitet. Wie wir uns ernähren ist dabei überall auf der Welt sehr unterschiedlich, denn Essen ist sehr stark kulturell geprägt. Diese Vorbereitung auf die kulturell gefärbte Familienkost geht beim Stillen weiter, denn auch der Geschmack der Muttermilch verändert sich leicht durch die Nahrung der Mutter. So akzeptieren Kinder bei der Einführung der Beikost diese Nahrung auch am ehesten.

Im ersten Lebensjahr sind Kinder aber generell noch sehr offen auch andere und stark schmeckende Lebensmittel zu probieren. Je mehr verschiedene Geschmäcker sie dabei im ersten Jahr kennenlernen und ausprobieren, desto offener bleiben sie neuen Lebensmitteln gegenüber.

Wählerisch Essen ist ein „Sicherheitsverhalten“

Nichts destotrotz wird die akzeptierte Lebensmittelauswahl in der Autonomiephase geringer. Dies ist zum großen Teil evolutionsbedingt, denn in dieser Phase ihres Lebens entfernen sich die Kinder erstmals weiter von ihren Eltern. Hat ein Kind in der Steinzeit nun alles gegessen was es so gefunden hat, auch wenn es bitter oder sauer schmeckte, so war die Wahrscheinlichkeit, dass es etwas Verdorbenes oder Giftiges zu sich nimmt recht hoch. Kinder die diese Geschmäcker ablehnten, sind also viel eher unsere Vorfahren geworden!

Richtige Vorlieben für bestimmte Geschmäcker und Lebensmittel können sich aber nur entwickeln, wenn man etwas häufiger probiert. Der so genannte „mere exposure effekt“ sorgt dafür, dass wir Lebensmittel lieber mögen, die wir häufiger essen. Neuen unbekannten Geschmäckern stehen wir und vor allem unsere Kinder erst einmal skeptisch gegenüber. Damit Kinder Neues akzeptieren sind teilweise mindestens 8 Wiederholungen nötig! Hier heißt es also dranbleiben, und (ohne Druck!) immer wieder anbieten. Neue Lebensmittel kann man am besten immer in Kombination mit gut akzeptierten Lebensmitteln anbieten, das erhöht die Akzeptanz und Bereitschaft es zu probieren stark.

„Das kommt mir zu den Ohren raus“

Der Gegenspieler dieses Effekts ist die so genannte „spezifisch-sensorische Sättigung“. Sie sorgt für die Entwicklung von Abneigungen und  wirkt einer einseitigen Ernährung entgegen. Eine zu häufige Wiederholung gleicher sensorischer Geschmacksempfindungen lässt uns diese also eher ablehnen. Kennt man ja oft auch bei sich selbst. Man hat eine Zeit lang etwas, dass man sehr gerne isst. Aber wenn man es übertreibt kann man dieses Lebensmittel oder Essen meist bald nicht mehr sehen.

Dieser Mechanismus wirkt bei Kindern verzögert, und so können Kinder sich problemlos über Wochen vom Lieblingsessen ernähren, ohne dass sie diesem Überdrüssig werden. Vor allem, wenn wir Eltern in diesen Prozess immer wieder eingreifen und alles Mögliche Probieren, auch andere Lebensmittel ins Kind zu kriegen, weil wir uns um seine Nährstoffversorgung sorgen, zieht sich dies umso länger hin, denn die spezifisch sensorische Sättigung wirkt dann weniger stark.

Aber Abneigungen und Präferenzen entwickeln sich auch durch Beobachten anderer. Beobachte also mal bei dir selbst, wie du isst und wie du auf neue Lebensmittel oder Gerichte reagierst.

„Ein Löffelchen für Oma…“ – Wie man das natürliche Hunger- und Sättigungsgefühl erhalten kann

„Ein Löffelchen für Oma…“ – Wie man das natürliche Hunger- und Sättigungsgefühl erhalten kann

Kinder haben noch ein gut funktionierendes Gefühl für Hunger und Sättigung. Damit dies erhalten bleibt (was für ein gesundes Essverhalten immens wichtig ist!) sollte man Sättigungszeichen nie übergehen! Oft versuchen Eltern aus Sorge, dass das Kind zu wenig isst, es zum Weiter-/Aufessen zu überreden. Ich kann diese Sorge absolut nachvollziehen, nur in der Regel erreicht man damit nicht, dass das Kind gerne und genussvoll nach seinem Körpergefühl Essen lernt.

Zur Beruhigung sei einmal gesagt, ein gesundes Kind verhungert nicht am vollen Tisch! Manchmal kann es hilfreich sein, mal ein paar Tage aufzuschreiben, was das Kind so isst, um einen Eindruck zu bekommen ob es wirklich zu wenig ist. Und wenn sich dieser Eindruck erhärtet, solltest du abklären, wo die Ursache dafür ist. Die häufigsten Ursachen sind ein Eisen-/Zinkmangel (sorgt für Appetitlosigkeit) oder  Orale Restriktionen, zum Beispiel ein zu kurzes Zungenband. Letzteres solltest bei mit einer gut fortgebildeten Stillberaterin (bei kleinen Kindern) bzw. Logopädin (bei größeren Kindern) abklären. Informationen dazu findet man z.B. unter  https://www.defagor.de/

Weitere Infos zu Ursachen und Tipps wie du mit deinem Kinderarzt sprechen kannst findest du in meinem kostenlosen „Picky Eater Guide“

Wichtig beim Thema Essen ist, dass das Kind entscheidet was und wie viel es vom Angebotenen Essen isst. Die Aufgabe der Eltern ist es für ein gesundes und ansprechendes Lebensmittelangebot  sorgen. Wenn sie selbst auch ein gesundes Essverhalten vorleben und gerne neues probieren, sich nicht gleich den ganzen Teller vollpacken, mit Ruhe und Genuss essen etc. werden sich auch die Kinder viel eher diese Verhaltensweisen annehmen.

Warum eine angenehme Atmosphäre zu einem gesunden Essverhalten führt

Warum eine angenehme Atmosphäre zu einem gesunden Essverhalten führt

Geschmacksvorlieben sind sehr stabil und halten oft ein Leben lang. Es ist also wirklich wichtig, dass du dein Kind schon früh an ein gesundes Essverhalten heranführst.

Aber Druck, Zwang und Verbote wirken sich negativ auf die Entwicklung gesunder Essgewohnheiten aus, und auch eine angespannte Atmosphäre oder Streitgespräche haben am Esstisch nichts zu suchen.

Die Gefühle die ein Kind beim Essen hat, werden im Gehirn direkt mit dem Geschmack verknüpft abgespeichert. Wenn also z.B. Gemüse immer und immer wieder Streitthema am Esstisch ist, wird dein Kind diese Lebensmittel erst recht negativ belegen und möglicherweise sein Leben lang Schwierigkeiten haben sich gesund zu ernähren.

Verbote bewirken in der Regel, dass diese Lebensmittel besonders attraktiv werden und sind deshalb nicht zielführend. Es sind auch nie einzelne Lebensmittel, die (un-)gesund sind, sondern die Gesamtauswahl. Bei einem Ausgewogenen Essverhalten ist auch Platz für vermeintlich ungesunde Lebensmittel.

Statt also das Kind zu einer gesunden Ernährung zu drängen sollten Eltern sie selbst vorleben und dem Kind eine gesunde Lebensmittelauswahl zur Verfügung stellen.

Das Essen gemeinsam zuzubereiten und gemeinsam in einer angenehmen Atmosphäre zu essen, hat dabei einen viel hören Nutzen für die Entwicklung von gesunden Essgewohnheiten, als es über die Erziehung mit Druck aufs Kind zu versuchen.

Zappelphilipp und Co – Wie man bei Fehlverhalten richtig reagiert

Zappelphilipp und Co – Wie man bei Fehlverhalten richtig reagiert

Es ist aber nicht nur das Essen selbst, das gerne mal für Streit am Tisch sorgt. Manchmal bringt uns alleine  das Verhalten unserer Kinder regelrecht zur Weißglut! Wenn das Kind auf dem Stuhl herumzappelt, ständig aufsteht, das Essen ausspuckt und drin herummatscht, kann das ganz schön nerven. Oder auch einfach super unappetitlich sein!

Wichtig ist hier richtig zu reagieren. Denn auch, wenn es sich nicht direkt um das Essen selbst dreht, verknüpfen sich die Gefühle mit dem Geschmack des Essens.

Um angemessen zu reagieren ist es sinnvoll, sich mal zu überlegen welches Bedürfnis hinter dem Fehlverhalten steckt. Was möchte das Kind erreichen? Was braucht es gerade? Und auch was löst das Verhalten in mir aus, warum ist mir diese Regel wichtig?

Hinter jedem Verhalten steht ein Bedürfnis

Wenn man weiß, welches Bedürfnis hinter dem Verhalten des Kindes steckt, kann man die Situation viel leichter lösen. In der Regel Verhalten sich unsere Kinder nicht so, um uns zu ärgern! Steht dein Kind beim Essen ständig auf? Dann hat es offensichtlich gerade einen Drang nach Bewegung. Vielleicht hilft es deinem Kind 10mal um den Tisch zu rennen, oder Hampelmänner zu machen um danach ruhiger sitzen zu können. Dein Kind matscht nur im Essen rum? Vielleicht ist es satt, oder es lernt das Essen einfach noch kennen. Das Essen anfassen zu können sorgt für viele neue Vernetzungen im Gehirn und hilft das Essen kennenzulernen.

Wenn dein Kind Dinge tut, die dir nicht gefallen, dann überlege auch kurz, warum dir diese Regel gerade wichtig ist. „Macht man nicht“ ist ein dabei ein eher schlechter Ratgeber, denn es sind meist nicht deine eigenen Grenzen, die sich dahinter verbergen. Versuche deinen eigenen Grenzen zu finden und diese darfst und sollst du auf jeden Fall verteidigen! Wenn du klar sagen kannst, warum dir das jetzt wichtig ist, wird es dir viel leichter fallen diese Grenze zu ziehen und auch dein Kind wird es besser verstehen können.

Ganz wichtig ist dabei aber nie die Person, sondern nur das Verhalten zu kritisieren. Denn dein Kind sollte wissen und fühlen, dass es immer Bedingungslos geliebt wird.

Ich hoffe mit diesen Informationen und Tipps  konnte ich dir zeigen, mit welchen Schritten du dein Kind auf dem Weg zu einer gesunden Ernährung begleiten kannst und wie du richtig mit unangenehmem Verhalten beim Essen umgehen kannst.

Deine Katharina

PS: Falls du mehr darüber lernen willst, wie du dein Kind auf dem Weg zu einem gesunden Essverhalten unterstützen kannst, trage dich doch unverbindlich und kostenlos in die Warteliste für meinen Onlinekurs „Leckerschmecker – wie dein Kind gesundes Essen (wieder) lieben lernt“ ein, der demnächst mit einer neuen Gruppe startet: https://katharina-dreier.de/warteliste-leckerschmecker-onlinkurs/

Dieser Beitrag erschien Ursprünglich als Gastbeitrag bei den Leuchtturmeltern

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Hi, ich bin Katharina, zertifizierte Stillberaterin, sowie Fachkraft für Babygeleitete Beikost und Ernährungsberaterin für Babys und Kleinkinder i.A. und begleite Eltern seit über 6 Jahren auf einem bedürfnisorientierten Weg mit ihren Kindern.

Bei mir bekommst du kompetente Hilfe bei allen Problemen rund um die Ernährung deines Kindes.

 

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