Beikosteinführung bei Zöliakie in der Familie
Viele Personen mit Zöliakie (einer Autoimmunerkrankung, bei der Gluten nicht vertragen wird) führen einen strikt glutenfreien Haushalt. Denn so lässt sich das Kontaminationsrisiko eindämmen und Betroffene können entspannter Essen.
Doch wenn nun ein Baby in die Familie kommt und mit der Beikost auch Gluten eingeführt werden soll tauchen dann gerne die ersten Fragezeichen im Kopf auf. Muss ich meinem Baby Gluten geben oder geht es auch mit glutenfreier Beikost? Darf es auch etwas von meinen glutenfreien Produkten bekommen, oder sind die ungesund für mein Kind? Und kann ich mit der Beikost irgendwie das Risiko senken, dass mein Kind ebenfalls Zöliakie bekommt?
In diesem Artikel schauen wir uns genau das an, damit du am Ende weißt, wie du Gluten in der Beikost sicher, entspannt und alltagstauglich gestalten kannst.

Muss mein Baby überhaupt Gluten bekommen?
Ist Gluten überhaupt ein „Allergen“, das ich gezielt einführen muss?
Vielleicht hast du schon einmal gehört, dass bestimmte Allergene möglichst früh mit der Beikost eingeführt und anschließend regelmäßig angeboten werden sollen. Besonders gut untersucht ist das zum Beispiel für Erdnuss und Ei: Eine frühe Einführung im Rahmen der Beikost kann bei diesen Lebensmitteln das Risiko für eine spätere Allergie senken.
Bei Gluten ist die Situation allerdings eine andere. Zöliakie ist keine Lebensmittelallergie, sondern eine Autoimmunerkrankung. Das Immunsystem reagiert dabei auf Gluten, der zugrunde liegende Mechanismus unterscheidet sich aber von einer klassischen Lebensmittelallergie.
Deshalb lassen sich die Empfehlungen zur Allergieprävention nicht einfach auf Gluten übertragen. Du musst deinem Baby also nicht möglichst früh Gluten anbieten oder darauf achten, dass es Gluten regelmäßig bekommt, um einer Zöliakie vorzubeugen.
Nach den aktuellen Empfehlungen der europäischen Fachgesellschaft ESPGHAN kann Gluten irgendwann zwischen dem vollendeten 4. und dem 12. Lebensmonat eingeführt werden. Innerhalb dieses Zeitraums scheint der Zeitpunkt der Einführung keinen Einfluss darauf zu haben, ob ein Kind später eine Zöliakie entwickelt. Das gilt auch für Kinder, die aufgrund einer Zöliakie in der Familie ein erhöhtes genetisches Risiko haben.
Das sollte aber nicht bedeuten, dass du dein Kind vorsorglich glutenfrei ernähren solltest. Wenn dein Baby keine Zöliakie hat, darf Gluten im Laufe der Beikost ganz selbstverständlich Teil seiner Ernährung werden. Nur eben ohne Stress und ohne ein bestimmtes „Gluten-Einführungsprogramm“.
Wie oft und wie viel Gluten braucht mein Baby
Wenn du Gluten eingeführt hast, stellt sich schnell die nächste Frage: Wie viel davon braucht mein Baby eigentlich und wie oft sollte ich es anbieten?
Die einfache Antwort lautet: Dafür gibt es keine feste Empfehlung.
Wir wissen aktuell nicht, welche Menge Gluten für ein Baby besonders günstig wäre. Deshalb gibt es weder eine bestimmte Portionsgröße noch die Empfehlung, dass dein Baby jeden Tag oder eine bestimmte Anzahl an Tagen pro Woche Gluten essen muss.
Es ist also nicht nötig, täglich Brot, Nudeln oder Getreidebrei mit Weizen anzubieten, nur damit dein Baby auch wirklich „genug Gluten“ bekommt.
Ganz im Gegenteil: Viel hilft hier nicht unbedingt viel. Einige Studien haben bei Kindern mit einem erhöhten Zöliakierisiko einen Zusammenhang zwischen einer sehr hohen Glutenaufnahme in den ersten Lebensjahren und einem höheren Risiko für Zöliakie gefunden. Daraus lässt sich allerdings bisher keine konkrete Menge ableiten, die nicht überschritten werden sollte. Deshalb empfiehlt auch die ESPGHAN aktuell keine bestimmte Glutenmenge.
Für den Alltag bedeutet das: Dein Baby darf glutenhaltige Lebensmittel einfach als einen Teil einer abwechslungsreichen Ernährung kennenlernen. Wenn ihr zu Hause überwiegend glutenfrei esst, musst du deshalb nicht anfangen, täglich extra glutenhaltige Mahlzeiten für dein Baby zuzubereiten.
Ein Stück Brot hier, ein paar Nudeln dort oder eine andere glutenhaltige Beilage reichen völlig aus, um Gluten ganz selbstverständlich in den Speiseplan einzubauen. Du musst dabei weder Gramm zählen noch einen festen Glutenplan führen.
Und was ist mit Hafer – zählt Porridge als Gluteneinführung?
Hafer sorgt beim Thema Gluten regelmäßig für Verwirrung. Das liegt daran, dass er ein kleiner Sonderfall ist.
Das Speicherprotein im Hafer heißt Avenin. Es unterscheidet sich von den problematischen Eiweißbestandteilen in Weizen, Roggen und Gerste und wird von den meisten Menschen mit Zöliakie vertragen. Voraussetzung ist allerdings, dass der Hafer nicht mit anderen glutenhaltigen Getreidesorten verunreinigt wurde. Genau das passiert bei herkömmlichem Hafer durch Anbau, Transport und Verarbeitung relativ häufig. Deshalb sollten Menschen mit Zöliakie nur Hafer verwenden, der ausdrücklich als glutenfrei gekennzeichnet ist.
Das erklärt auch, warum Hafer auf Zutatenlisten trotzdem als Allergen hervorgehoben werden muss und rechtlich zu den glutenhaltigen Getreiden zählt. Auch in meinem Beikostbuch sind Rezepte mit Hafer daher als glutenhaltig gekennzeichnet. Für Eltern kann das durchaus verwirrend sein.
Wenn es um die gezielte Einführung von Gluten in der Beikost geht, würde ich einen Haferbrei aber nicht als Gluteneinführung einplanen.
Auch normaler, nicht glutenfrei gekennzeichneter Hafer ist dafür keine gute Lösung. Er kann zwar durch Weizen, Roggen oder Gerste mit Gluten verunreinigt sein, aber du weißt weder ob noch in welcher Menge. Für eine bewusste Gluteneinführung ist das also nicht besonders geeignet.
Wenn du deinem Baby Gluten anbieten möchtest, nimm stattdessen lieber ein Lebensmittel, bei dem du sicher weißt, dass es Gluten enthält. Das kann zum Beispiel ein Stück Brot, etwas Weizengrieß, Nudeln oder ein anderes Lebensmittel aus Weizen, Dinkel, Roggen oder Gerste sein.
Ein Porridge aus glutenfrei gekennzeichneten Haferflocken darf dein Baby natürlich trotzdem essen. Es zählt nur einfach nicht zu den Mahlzeiten, mit denen du Gluten gezielt in den Speiseplan einbaust.

Was, wenn Zöliakie in der Familie liegt? Hat mein Baby dann ein höheres Risiko?
Wenn du selbst Zöliakie hast, ist es verständlich, dass du dir Gedanken darüber machst, ob dein Kind ebenfalls erkranken könnte.
Tatsächlich spielt die genetische Veranlagung bei Zöliakie eine wichtige Rolle. Während ungefähr ein Prozent der Bevölkerung von Zöliakie betroffen ist, liegt das Risiko bei Verwandten ersten Grades, also zum Beispiel Kindern, Geschwistern oder Eltern einer betroffenen Person, bei etwa 10 bis 15 Prozent. Das Risiko ist also deutlich erhöht. Trotzdem bedeutet eine Zöliakie bei Mama oder Papa keineswegs automatisch, dass auch das Kind erkranken wird. (dzg-online.de)
Vielleicht fragst du dich jetzt, ob du dieses Risiko über die Beikost beeinflussen kannst. Genau dazu wurde in den vergangenen Jahren viel geforscht. Bisher gibt es aber leider keine bestimmte Art der Gluteneinführung, mit der sich eine Zöliakie verhindern lässt.
Es macht nach aktuellem Wissensstand keinen Unterschied für das spätere Gesamtrisiko, ob Gluten früher oder später innerhalb des empfohlenen Zeitraums eingeführt wird. Auch Stillen während der Gluteneinführung schützt nicht vor Zöliakie. Ebenso gibt es bisher keine bestimmte Glutenmenge, von der wir wissen, dass sie einer Zöliakie vorbeugen kann. (espghan.org)
Du musst bei der Beikost also nicht versuchen, durch einen bestimmten Zeitpunkt oder einen ausgeklügelten Glutenplan eine Zöliakie zu verhindern.
Was bei einer Zöliakie in der direkten Familie allerdings sinnvoll ist, sind spätere Kontrollen. Die Deutsche Zöliakie Gesellschaft empfiehlt, Kinder und Jugendliche aus Risikogruppen regelmäßig auf Zöliakie untersuchen zu lassen. Dafür reicht zunächst in der Regel eine Blutuntersuchung auf die typischen Zöliakie Antikörper. Wann eine solche Untersuchung bei deinem Kind sinnvoll ist und in welchen Abständen sie wiederholt werden sollte, kannst du mit eurem Kinderarzt oder eurer Kinderärztin besprechen. (Nutze dafür am besten den Diagnoseflyer den du auf dzg-online.de herunterladen kannst.)
Wichtig: Bei Verdacht auf Zöliakie bitte nicht einfach Gluten weglassen
Wenn dein Kind Beschwerden entwickelt, die zu einer Zöliakie passen könnten, oder bei einer Blutuntersuchung ein entsprechender Verdacht entsteht, solltest du Gluten nicht vorsorglich aus der Ernährung streichen.
Für eine zuverlässige Zöliakie Diagnostik muss dein Kind weiterhin Gluten essen. Wird Gluten vorher reduziert oder komplett weggelassen, können sich die Zöliakie Antikörper im Blut und auch die Veränderungen im Dünndarm zurückbilden. Die Untersuchung kann dann unauffällig ausfallen, obwohl eigentlich eine Zöliakie besteht. (dzg-online.de)
Auch wenn der Gedanke naheliegt, bei Beschwerden einfach einmal glutenfrei zu testen, solltest du deshalb zuerst die Diagnostik mit dem Kinderarzt oder der Kinderärztin besprechen. Mit einer glutenfreien Ernährung solltest du erst beginnen, wenn die Untersuchungen abgeschlossen sind und die Diagnose feststeht.

Glutenfreier Familientisch: Was darf mein Baby mitessen?
Wenn ihr zu Hause glutenfrei esst, muss für dein Baby nicht plötzlich ein komplett eigener Speiseplan her. Viele Lebensmittel, die in einem glutenfreien Haushalt sowieso auf dem Tisch stehen, sind ganz normale und wertvolle Lebensmittel für die Beikost.
Kartoffeln, Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Eier, Fleisch, Fisch und viele Milchprodukte sind von Natur aus glutenfrei. Auch bei den Getreiden und Beilagen gibt es eine ganze Reihe glutenfreier Möglichkeiten.
Dein Baby darf also grundsätzlich von eurem glutenfreien Familienessen mitessen, sofern die Mahlzeit natürlich auch sonst für die Beikost geeignet ist. Das bedeutet zum Beispiel, dass die Konsistenz zum Entwicklungsstand deines Babys passt und ihr mit Salz sparsam umgeht.
Es ist auch überhaupt kein Problem, wenn der größte Teil der Ernährung deines Babys glutenfrei ist. Wie wir oben schon gesehen haben, muss Gluten nicht bei jeder Mahlzeit und auch nicht jeden Tag auf dem Teller landen.
Welche glutenfreien Getreide und Mehle eignen sich für Babys?
Wenn beim Stichwort glutenfrei zuerst Reis in deinem Kopf auftaucht, bist du vermutlich nicht allein. Reis und Reismehl sind zwar glutenfrei und können selbstverständlich auch Teil der Beikost sein. Gerade bei Babys und Kleinkindern würde ich mich aber nicht hauptsächlich darauf verlassen.
Reis kann vergleichsweise viel anorganisches Arsen enthalten. Deshalb empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung gerade bei Säuglingen und Kleinkindern, Reisprodukte wie Reisbrei oder Reiswaffeln nicht ständig anzubieten, sondern mit anderen Getreidesorten abzuwechseln. Reis muss deshalb nicht vom Speiseplan verschwinden. Hier macht, wie so oft, die Abwechslung den Unterschied.
Für einen glutenfreien Familientisch kannst du zum Beispiel zwischen diesen Lebensmitteln wechseln:
- Hirse und Hirseflocken
- Mais und Maisgrieß
- Reis und Reismehl
- glutenfrei gekennzeichnetem Hafer
- Buchweizen
- Quinoa
- Amaranth
Auch Kartoffeln und andere stärkehaltige Lebensmittel bringen natürlich Abwechslung auf den Teller, obwohl sie kein Getreide sind.
Bei Buchweizen, Quinoa und Amaranth würde ich für Babys auf Produkte zurückgreifen, deren Qualität und Reinheit entsprechend kontrolliert ist. Die DGE verweist hier auf mögliche natürliche Inhaltsstoffe und Verunreinigungen und empfiehlt deshalb, auf geeignete, qualitativ geprüfte Produkte zu achten.
Wenn in eurem Haushalt aufgrund einer Zöliakie wirklich strikt glutenfrei gegessen wird, gibt es noch einen zweiten Punkt zu beachten: Auch eigentlich glutenfreie Getreidesorten können bei Anbau und Verarbeitung mit glutenhaltigem Getreide verunreinigt werden. Gerade bei verarbeiteten Produkten wie Mehl, Grieß oder Flocken empfiehlt die Deutsche Zöliakie Gesellschaft deshalb, ausdrücklich glutenfrei gekennzeichnete Produkte zu verwenden.
Du brauchst also kein besonderes „Babymehl“. Ein glutenfrei gekennzeichnetes Hirsemehl, Maismehl oder zum Beispiel glutenfreie Haferflocken aus eurem normalen Vorrat können genauso für die Familienküche verwendet werden.
Sind spezielle glutenfreie Ersatzprodukte für Babys geeignet?
Bei glutenfreien Nudeln, Brot, Brötchen oder anderen Ersatzprodukten sieht es etwas anders aus. Auch die darf dein Baby grundsätzlich essen. Nur sagt die Aufschrift „glutenfrei“ zunächst einmal nichts darüber aus, wie gut ein Lebensmittel zusammengesetzt ist.
Glutenfreie Produkte sind nicht automatisch gesünder, aber eben auch nicht automatisch ungesund. Manche bestehen hauptsächlich aus Stärke, andere enthalten verschiedene Vollkornmehle, Saaten oder Hülsenfrüchte und bringen dadurch deutlich mehr Nährstoffe und Ballaststoffe mit. Das Bundeszentrum für Ernährung weist ebenfalls darauf hin, dass glutenfreie Produkte nicht per se die ernährungsphysiologisch bessere Wahl sind.
Es lohnt sich deshalb, genau wie bei normalen Produkten, einmal auf die Zutatenliste zu schauen.
Bei Brot und Brötchen kannst du zum Beispiel darauf achten, dass nicht nur Stärke die Hauptzutat ist, sondern auch glutenfreie Vollkornmehle, Flocken oder Saaten enthalten sind. Bei Fertigprodukten spielen außerdem Salz und zugesetzter Zucker eine Rolle.
Du musst daraus aber auch keine Wissenschaft machen. Wenn das glutenfreie Brot, das bei euch sowieso auf dem Frühstückstisch steht, von der Zusammensetzung her für dein Baby passt, darf es davon natürlich mitessen. Es braucht kein spezielles Babybrot, nur weil euer Brot glutenfrei ist.
Auch glutenfreie Nudeln sind eine unkomplizierte Möglichkeit für den gemeinsamen Familientisch. Sie bestehen zum Beispiel aus Mais, Reis, Hülsenfrüchten oder Mischungen verschiedener glutenfreier Zutaten. Hier darfst du ruhig abwechseln.
Kurz gesagt: Dein Baby braucht keine glutenhaltige Version jeder Mahlzeit. Es kann den glutenfreien Familientisch ganz selbstverständlich mitessen. Gluten kannst du zusätzlich gezielt und in überschaubaren Situationen anbieten, ohne dafür eure komplette Küche umstellen zu müssen.

Wie kann ich Gluten einführen, ohne meine eigene Küche unsicher zu machen?
Wenn du selbst Zöliakie hast und bisher einen komplett glutenfreien Haushalt führst, ist die Vorstellung verständlicherweise nicht besonders verlockend, plötzlich wieder Brotkrümel, Nudeln und Weizenmehl in der Küche zu haben.
Zum Glück ist das auch gar nicht nötig.
Wie wir oben schon gesehen haben, braucht dein Baby keine großen Mengen Gluten und auch nicht zu jeder Mahlzeit. Du kannst deshalb ganz bewusst einzelne Situationen schaffen, in denen dein Baby etwas Glutenhaltiges bekommt, während der restliche Familientisch weiterhin glutenfrei bleibt.
Die einfachste Möglichkeit ist natürlich, Gluten außerhalb deiner eigenen Küche anzubieten. Vielleicht isst dein Baby bei den Großeltern einmal ein Stück Brot, bekommt in der Kita eine glutenhaltige Mahlzeit oder der andere Elternteil übernimmt gelegentlich eine glutenhaltige Zwischenmahlzeit.
Aber auch zu Hause ist eine Gluteneinführung möglich, ohne gleich die komplette Küche umzustellen.
Am unkompliziertesten sind dafür Lebensmittel, die möglichst wenig Krümel und Mehlstaub verursachen und nicht erst mit vielen Küchenutensilien zubereitet werden müssen. Du könntest deinem Baby zum Beispiel eine kleine Portion normaler Nudeln separat kochen oder ein fertiges glutenhaltiges Lebensmittel anbieten.
Gerade mit Weizenmehl würde ich dagegen nicht anfangen, in einer ansonsten glutenfreien Küche zu backen. Mehlstaub verteilt sich sehr leicht auf Arbeitsflächen, Küchengeräten und Textilien und erhöht dadurch das Kontaminationsrisiko deutlich. Auch Krümel aus Brot und Gebäck können schnell dort landen, wo du sie später nicht haben möchtest. Die Deutsche Zöliakie Gesellschaft weist deshalb ausdrücklich darauf hin, dass Arbeitsflächen, Küchenutensilien und Textilien frei von Mehlstaub und Krümeln sein müssen.
Wenn du Gluten zu Hause anbietest, helfen ein paar einfache Regeln:
- Bereite dein eigenes glutenfreies Essen zuerst zu und stelle es anschließend zur Seite.
- Verwende für die glutenhaltige Portion sauberes, getrenntes Geschirr und eigene Küchenutensilien.
- Achte darauf, dass Messer oder Löffel, die mit glutenhaltigem Essen in Berührung gekommen sind, nicht wieder in Butter, Frischkäse, Marmelade oder andere gemeinsam verwendete Lebensmittel gelangen.
- Reinige anschließend Tisch, Hochstuhl und Arbeitsflächen gründlich und wasche auch die Hände deines Babys.
- Bewahre glutenhaltige Lebensmittel geschlossen und getrennt von euren glutenfreien Vorräten auf.
Die DZG empfiehlt bei der parallelen Zubereitung glutenfreier und glutenhaltiger Speisen ebenfalls, das glutenfreie Essen zuerst zuzubereiten. Auch getrennte Brotaufstriche, Kochutensilien und eine getrennte Lagerung helfen dabei, Kontaminationen zu vermeiden.
Du musst dafür übrigens nicht automatisch einen zweiten kompletten Satz Töpfe und Geschirr anschaffen. Glatte Oberflächen, Töpfe, Besteck und Geschirr lassen sich gründlich reinigen. Schwieriger sind Dinge, in denen sich Krümel oder Mehlreste festsetzen können, zum Beispiel ein Toaster, stark zerkratzte Schneidebretter oder manche Holzutensilien. Dafür sind getrennte Lösungen sinnvoll.
Vielleicht stellst du dir die Gluteneinführung deshalb am besten gar nicht als zweiten Speiseplan vor. Euer Mittagessen kann weiterhin für alle glutenfrei sein. Und an einer anderen Stelle bekommt dein Baby ganz gezielt etwas Glutenhaltiges dazu.
So bleibt eure Küche im Alltag so glutenfrei und sicher wie bisher, während dein Baby Gluten trotzdem ganz selbstverständlich kennenlernen kann.
Fazit: Gluten einführen darf unkompliziert sein
Wenn ihr aufgrund einer Zöliakie glutenfrei lebt, musst du euren gesamten Familienalltag nicht umkrempeln, nur weil dein Baby mit der Beikost startet.
Dein Baby darf ganz selbstverständlich von eurem glutenfreien Familientisch mitessen. Gluten muss weder täglich noch in einer bestimmten Menge angeboten werden und es gibt keinen speziellen Zeitpunkt oder Plan, mit dem du eine Zöliakie verhindern kannst.
Für die Gluteneinführung reichen einzelne, bewusst gewählte glutenhaltige Lebensmittel völlig aus. Das kann zu Hause mit ein paar einfachen Vorsichtsmaßnahmen passieren oder auch außerhalb eurer eigenen Küche.
Wichtig ist vor allem: Du musst nicht zwischen einem sicheren glutenfreien Zuhause und einer normalen Beikost für dein Baby wählen. Beides lässt sich gut miteinander verbinden.
Und wenn Zöliakie bei euch in der Familie vorkommt, lohnt es sich, das bei den kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchungen im Hinterkopf zu behalten. Bei einem konkreten Verdacht sollte Gluten aber nicht vorsorglich weggelassen werden, bevor die Diagnostik abgeschlossen ist.
So darf Beikost auch in einem glutenfreien Haushalt vor allem eines bleiben: alltagstauglich, abwechslungsreich und möglichst entspannt.


